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Malaria

Mit jährlich gegenwärtig etwa 350–500 Millionen Neuerkrankungen ist die Malaria die bedeutendste Infektionskrankheit der Tropen. Resistente Erregerstämme haben die Vorbeugung und Behandlung der Krankheit in den letzten Jahren deutlich verkompliziert. Die Erreger aus der Familie der Plasmodien werden von weiblichen Anophelesmü­cken während des Stechaktes übertragen.

 

 

Sie gelangen zuerst über den gro­ßen Körperkreislauf in die Leber, von dort aus befallen sie nach einem Vermehrungszyklus rote Blutkörperchen. Die Zerstörung betroffener Blutkörperchen erfolgt schubweise, dabei gelangen giftige Abbauprodukte in die Blutbahn und lösen Fieberattacken aus. Häufige Begleitsymptome des Fieberanstiegs oder alleinige Symptome sind Mattigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Schwindel, oft auch Erbrechen und/oder Durchfall. Die Inkubationszeit (also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung) beträgt zwischen sieben Tagen und mehreren Monaten. Die Malaria tropica als gefährlichste Form verläuft besonders schwer und endet ohne Behandlung in der Regel tödlich. Infektionsgefahr, insbesondere für die Malaria tropica, herrscht in Uganda, Ruanda und dem Ostkongo ganz­jährig. Besonders hoch ist das Risiko während der Regenzeit. Oberhalb von 1800 m treten in der Regel keine Malariafälle auf.


Medikamentöse Vorbeugung
Zur medikamentösen Vorbeugung (Chemoprophylaxe) der Malaria ist eine ganze Reihe unterschiedlich wirksamer Medikamente im Handel erhältlich. Man hat mit der Einnahme der Mittel eine Woche vor Reiseantritt zu beginnen. Die Prophylaxe ist in der Regel noch vier Wochen über das Reiseende hi­naus fortzusetzen. Nur eine Chemoprophylaxe, die konsequent durchgeführt wird, schützt sicher vor einer Malariaerkrankung. Bis Anfang der 1990er Jahre war die vorbeugende Einnahme von Chloro­quin (z.B. Resochin) in Kombination mit Proguanil (Paludrine) die gängige Empfehlung der Weltgesundheitsorganisa­tion WHO. Durch das Auftreten chloroquinresistenter Plasmodienstämme (Erreger, gegen die Chloroquin nicht mehr wirkt) ist diese Form der Vorbeugung nicht mehr zuverlässig. Einen wirkamen Schutz stellt zurzeit die Einnahme von Mefloquin (Lariam) dar. Gegen Mefloquin sind in Uganda bisher keine Resis­tenzen bekannt. Die Prophylaxe mit diesem Medikament wird auch von der WHO empfohlen. Die Verträglichkeit ist statistisch gesehen nicht wesentlich schlechter als beim Klassiker Resochin, doch kann es zu ausgeprägten Nebenwirkungen wie z.B. Schwindel oder Schlafstörungen (in seltenen Fällen sogar zu Halluzinationen oder Depressionen bis hin zu manifesten Psychosen) kommen. Sehr selten können schwere Unverträglichkeitsreaktionen hervorgerufen werden. Es wird empfohlen, die Tabletten zusammen mit einer Mahlzeit einzunehmen. Das Medikament sollte insgesamt nicht länger als drei Monate eingenommen werden.
Eine Packung Lariam mit acht Tabletten kostet gegenwärtig ca. 48 Euro. Etwas günstiger als Lariam ist das im Ausland (z.B. in der Schweiz) erhältliche Präparat Mephaquin. Die Arzneimittelkosten für die Malariaprophylaxe müssen in der Bundesrepublik von den meis­ten gesetzlich Krankenversicherten selbst getragen werden. Es ist empfehlenswert, Lariam oder Mephaquin vor Ort (z.B. bei der Ankunft in Kampala) in der Apotheke zu kaufen, wo deutlich geringere Preise als in Europa verlangt werden. Auch europäische Internetapotheken (z.B. www.rucksackapotheke. de) bieten ca. 30% günstigere Preise. Eine empfehlenswerte Alternative zur Einnahme von Mefloquin, etwa bei Unverträglichkeit, stellt die Chemoprophylaxe mit dem Kombinationsprä­parat Ato­vaquon/Proguanil (Malarone) dar. Das Medikament muss allerdings täglich eingenommen werden und ist recht teuer, dafür aber besser verträglich. Es eignet sich insbesondere für Kurzaufenthalte. Ebenfalls gut wirksam gegen alle Formen der Malaria ist Doxycyclin, ein bereits länger bekanntes Antibiotikum, dessen abtötende Wir­kung auf Malariaparasiten erst spät entdeckt wurde. Ein Problem bei der Einnahme von Doxycylin in tropischen Ländern ist die hierbei häufig beobachtete „Photosensibilisierung“, also die Erhöhung der Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonneneinstrahlung, die zu Hautausschlägen und schweren Sonnenbränden führen kann. Vor wenigen Jahren erhielt das hoch wirksame Medikament Riamet der Firma Novartis die Zulassung, das die Substanzen Arthemeter (ein Extrakt der Bei­fuß­pflanze) und Lumefantrin (ein neu­arti­ger Chinin-Abkömmling) enthält. Allerdings ist das Präparat nur zur Behandlung der Malaria zugelassen.

Mückenschutz (Expositionsprophylaxe)
In einer Zeit wachsender Erregerre­sistenzen und zunehmender Behandlungsschwierigkeiten ist die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme der Schutz gegen die übertragenden Anophelesmücken: Wer jedem Mückenstich wirksam vorzubeugen versucht, der minimiert auch von vornherein die Gefahr einer Infektion. Moskitonetze sind in den meisten Hotels, Camps und Lodges vorhanden und beim Schlafen obligat. Empfehlenswert ist in jedem Fall die Mitnahme eines eigenen Netzes, zumal die vorhandenen „Oldtimer“ häufig Risse oder Löcher aufweisen. Man spart einiges Geld, wenn man diese Anschaffung vor Ort selbst tätigt. Repellentien (wie Autan, Bonomol, Zedan etc.) bringt man entweder aus der Heimat mit oder aber kauft die entsprechenden Präparate vor Ort. Auch Glühspiralen aus Pyrethrum-haltigen Materialien können – beim abendlichen Dinner unter den Tisch gestellt – Erleichterung bewirken. Das Aussprühen der Schlafräume mit insektizidhaltigen Sprays (z.B. Doom, enthalten meist Organophosphate und Pyrethroide) hingegen, in vielen Hotels und Camps üblich, ist sehr effektiv, aber nicht gerade ein Liebesdienst an der eigenen Gesundheit.
Die richtige Kleidung in den frühen Morgen- und vor allem in den Abendstunden, wenn die Moskitos zu schwärmen beginnen, setzt die Malariagefahr ebenfalls erheblich herab. In Gebieten mit hohen Anflugsraten von Stechinsekten erfüllt leichte, helle Baumwollbekleidung, die möglichst bis auf Hände und Gesicht den ganzen Körper bedecken sollte, diesen Zweck am sinnvollsten.

Diagnose und Behandlung
Die Erkennung einer akuten Malaria erfolgt durch den mikroskopischen Nachweis des Erregers im gefärbten Blutausstrich, wobei die Blutentnahme möglichst während des Fieberschubes erfolgen sollte, orientierend kann zu­nächst auch ein Malaria-Schnelltest durchgeführt werden (kommerzielles Testkit). Diese relativ einfachen Untersuchungen können bei den meisten Ärzten und in allen Krankenhäusern in Uganda und Ruanda durchgeführt werden. Bei einem Malariaverdacht können Sie diesen daher sehr schnell vor Ort abklären. An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass eine Malaria sich anfangs nicht immer durch Fieberschübe äußert und auch unspezifische Verläufe kennt. Übertriebene Vorsicht ist also angebracht – der frühe Gang zum Arzt kann das eigene Leben retten!
Die stationäre Behandlung einer tropischen Malaria erfolgt in den meisten Krankenhäusern mit modernen antimikrobiellen Substanzen und Chininprä­paraten. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist, ob die Erkrankung bereits in einem frühen Stadium als Malaria erkannt wird. Wer nicht sofort einen Arzt aufsuchen kann, sollte bei Malaria-Verdacht eigenständig eine sogenannte „Stand-by-Medikation“ z.B. mit Riamet einleiten und sich danach möglichst zügig in ärztliche Behandlung begeben. Eine Malaria kann auch noch mehrere Wochen nach der Rückkehr nach Europa zum Ausbruch kommen.

RKHLogokleinText aus "Reise-Handbuch Uganda, Ruanda" 
von Christoph Lübbert,
Reise-Know-How Verlag,
Bielefeld, 2010