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Uganda unter Idi Amin (1971–1979)

Das auf derlei Vorschusslorbeeren bauende Regime Idi Amins zeigte bald sein wahres Gesicht. Politische Aktivität wurde verboten, viele Menschenrechte außer Kraft gesetzt. Idi Amin begann, mit grausamer Willkür und der Gewalt der Armee zu regieren.

1972 befahl er die Ausweisung aller Asiaten und schuf schnell eine Atmosphäre, die über 70.000 von ihnen ins Exil nach England, Kanada und die USA trieb. Ihre Geschäfte und Betriebe wurden unter dem Beifall weiter Bevölkerungsteile „afrikanisiert“ und Afrikanern ausge­händigt, d.h. in der Praxis meist an Gefolgsleute Amins. Mit dieser Maßnahme leistete er dem zunehmenden Verfall der ugandischen Wirtschaft Vorschub, denn die neuen Besitzer ruinierten viele Geschäfte und Unternehmen schon bald durch ökonomische Unkenntnis und Misswirtschaft. Fast alle westlichen Länder brachen ihre diplomatischen Beziehungen zu Uganda ab und verhängten ein Handelsembargo. Die meis­ten Europäer verließen das Land. Unterstützung überwiegend militärischer Art fand Idi Amin in Libyen und in der damaligen Sowjetunion.

Die gute Infrastruktur des Landes unterlag einem rasanten Verfall, Berichte über Gräueltaten an den verschiedens­ten Bevölkerungsgruppen häuften sich. Selber ein Moslem, befahl er vor allem die Ermordung von Christen, die in Uganda fast 70% der Bevölkerung ausmachen. In diversen Säuberungsaktionen verloren fast 400.000 Ugander ihr Leben. Die meisten von ihnen verschwanden einfach und wurden in Gefängnissen, Polizeistationen und Armeebaracken gefoltert und zu Tode gequält. Viele Leichen wurden einfach in den Nil geworfen. Besonders schlimm betroffen waren die Völker der Langi (der Stamm Obotes) und der Acholi. Mehr als 30.000 Karamojong wurden getötet, weil Idi Amin und seine Gefolgsleute sie für „primitiv“ erklärten. Schlecht bezahlte, marodierende Soldaten schossen die ugandischen Nationalparks leer, und ein riesiger Flüchtlingsstrom ergoss sich in die Nachbarländer.

Bis 1978 hatte Idi Amin Staat und Gesellschaft so gründlich ruiniert, dass er kaum noch Rückhalt in den eigenen Reihen besaß. Schwere Revolten erschütterten die Armee. Amin flüchtete sich in einen Krieg und ließ nach Anzettelung eines Grenzkonflikts das Nachbarland Tansania angreifen. Die miserabel ausgerüstete tansanische Armee holte nach mehreren Monaten mit Unterstützung vieler Exil-Ugander zum gro­­ßen Gegenschlag aus. Die Invasion tansanischer Truppen im Frühjahr 1979 nach Uganda führte innerhalb weniger Tage zur Flucht Amins und seiner heruntergewirtschafteten Armee. Der Diktator fand Exil zunächst in Libyen und später in Saudi-Arabien, wo er am 16. August 2003 im (geschätzten) Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Nierenerkrankung verstarb.

RKHLogokleinText aus "Reise-Handbuch Uganda, Ruanda" 
von Christoph Lübbert,
Reise-Know-How Verlag,
Bielefeld, 2010